Wir untersuchen, wie Mitarbeitende aus verschiedenen Ländern mit ihren unterschiedlichen Erfahrungen, Praktiken und Wissensformen die Spitalversorgung prägen.
Wir untersuchen interprofessionelle und interkulturelle Zusammenarbeit im Krankenhausalltag – aus der Perspektive der Mitarbeitenden.
Ausgangslage
Aktuelle Verhandlungen in der Sozialwirtschaft, Budgetkürzungen und der wachsende Personalmangel machen Arbeit in Krankenhäusern zum Gegenstand großer politischer und wirtschaftlicher Herausforderungen. Diese Problemstellungen gehen über den Fachkräftemangel hinaus und erfordern interprofessionelle Lösungen. Dabei stützt sich die Gesundheitsversorgung zunehmend auf migrantische, insbesondere weibliche, Arbeitskräfte, die maßgeblich zu ihrer Erhaltung beitragen. Unsere Hypothese ist, dass Menschen aus unterschiedlichen Berufsgruppen und mit verschiedenen Nationalitäten, kulturellen Hintergründen, Arbeitserfahrungen und Expertisen Krankenhäuser zu „globalen Orten“ der gelebten Zusammenarbeit machen, was Herausforderungen aber auch Chancen mit sich bringt.
Projektziel
Unser internationales Kooperationsprojekt (AT/CH) untersucht mit qualitativen Methoden der Sozialwissenschaften, wie genau unterschiedliche Formen von Arbeit und Zusammenarbeit das Gesundheitssystem prägen und die tägliche Gesundheitsversorgung aufrechterhalten. Während sich die Forschung meist auf medizinisches Personal und Patient:innen konzentriert, sind es vor allem Pflegefachpersonen, Pflegeassistent:innen sowie Küchen- und Reinigungspersonal, die die klinische Versorgung überhaupt erst ermöglichen. Genau hier setzt unser Projekt an: Wir untersuchen ethnografisch den Arbeitsalltag, die Migrationswege und die Wissensbestände dieser oft übersehenen Berufsgruppen. Indem wir beide Gruppen gleichzeitig in den Blick nehmen – Pflegende und Dienstleistungspersonal – erweitern wir den aktuellen Forschungsstand, der sich an Berufsgrenzen orientiert.
Verflechtungen von Arbeit, Mobilitäten und Wissenspraktiken für interprofessionelle und interkulturelle Zusammenarbeit
Vorgehen
Ethnografische Feldforschung stellt das tägliche Erleben und die Erfahrungen der Krankenhausmitarbeitenden in den Vordergrund. Ethnografie ermöglicht die Erforschung gelebter interprofessioneller Zusammenarbeit durch begleitende Teilnahme am Arbeitsalltag und qualitative Interviews zu Alltagspraktiken, Arbeitsroutinen und Interaktionen im Team. So wird ersichtlich, inwiefern Reinigung, Ernährung, emotionale Unterstützung, Pflege und Beziehungsarbeit in Krankenhäusern miteinander verflochten sind und wie dies genau zur Aufrechterhaltung der medizinischen Versorgung beiträgt.
Beitrag
Unser Ziel ist es, multikulturelle und multiprofessionelle Zusammenarbeit – von der kollegialen Führung bis zur Reinigungskraft – ganzheitlich in den Blick zu nehmen und zu verstehen, wie Gesundheitsversorgung im Krankenhausalltag über Berufsgrenzen, Nationalitäten und Wissensbestände hinweg erfolgt. Das Projekt wird die globalen Verflechtungen von Arbeit, Mobilität und Wissen in österreichischen Spitälern aus der Perspektive der Mitarbeitenden vor Ort darstellen und die Ergebnisse auch im Krankenhausraum durch partizipative Formate sichtbar machen. Die Forschungsergebnisse werden nicht nur in akademischen Publikationen veröffentlicht, sondern auch in einer öffentlich zugänglichen digitalen Ausstellung präsentiert – für Krankenhausmitarbeitende ebenso wie für ein breites Publikum. Damit trägt das Projekt zur Anerkennung unterschiedlicher Formen von Arbeit im Krankenhaus bei.

Janina Kehr ist Universitätsprofessorin für Medizinanthropologie und Global Health am Institut für Kultur- und Sozialanthropologie der Universität Wien.

Mara Köhler ist PhD-Studentin am Institut für Kultur- und Sozialanthropologie der Universität Wien.

Miriam Schwaiger ist die Forschungsadministratorin von "Global Hospitals." Sie unterstützt das Team bei allen organisatorischen Anliegen.
